Koalitionsvereinbarung 2009-2014 – Kapitel 5

5. Wissenschaftsstandort

Köln ist mit seinen derzeit 13 Hochschulen und fünf öffentlichen Forschungszentren ein bedeutender Standort für Lehre und Forschung. Hinzu kommen zahlreiche Forschungseinrichtungen von Unternehmen und Technologiezentren. Zählt man die Region dazu, nimmt unsere Wissenschafts- und Forschungslandschaft eine europäische Spitzenposition ein.

Diese Potenziale werden immer noch zu wenig genutzt. Wissenschaft und Forschung sind zu wenig in der Stadtgesellschaft verankert. In der öffentlichen Aufmerksamkeit finden die Kölner Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht die erforderliche Wertschätzung. Der Transfer von Forschungsergebnissen in Entwicklungsprozesse ist zu wenig strukturiert und organisiert. Handlungsbedarf besteht insbesondere auf folgenden Feldern:

  • Information über Forschungsschwerpunkte und -ergebnisse
  • Übergangsmanagement von Schule zur Hochschule
  • strukturiertes Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft
  • Transfer von Forschungsergebnisse in zukunftsfähige Produkte
  • gemeinsames Marketing
  • Entwicklung der Marke „Wissenschaftsstandort Köln“
  • Berücksichtigung studentischer Interessen in der Stadtpolitik
 

Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll verstärkt werden, auch um Investoren, die vom wissenschaftlichen Output profitieren können, an Köln zu binden bzw. für Köln zu gewinnen.

Wir unterstützen die Gründungsinitiative des Oberbürgermeisters für ein „Haus der Innovationen“ als Kontaktstelle und Plattform zur Präsentation von Forschungsideen und -ergebnissen, für Unternehmenskooperationen und Unternehmergründungen sowie eine städtische Servicestelle für studentische Anliegen (Wohnraum etc.).

Jährlich verlassen Tausende gut ausgebildet die Hochschulen, aber zum Teil leider auch die Stadt. Der Aufbau eines Netzwerks mit der Universität, der Fachhochschule, der Musikhochschule und der Kunsthochschule für Medien soll darauf hinwirken, dass hoch qualifizierte Hochschulabsolventen in Köln eine berufliche Zukunft finden; dies schließt Existenzgründungsinitiativen mit ein.

Im Hinblick auf die Durchführung von mehr wissenschaftlichen Kongressen soll die Stadt stärker mit den Hochschulen kooperieren.

Wir setzen uns für einen regionalen Wissenschafts- und Forschungsentwicklungsplan der „ABCD-Städte“ (Aachen, Bonn, Cologne, Düsseldorf) ein. Bestandteil dieses Plans sollen neben den Schwerpunkten der Hochschul- und Forschungsaktivitäten auch mögliche Kooperationsfelder, Netzwerkbildung, Technologietransfer und Nachwuchsförderung sein.

Moderne Fachhochschule für Köln

SPD und GRÜNE begrüßen die Absicht des Landes NRW, die Fachhochschule am Standort Köln durch Neubauinvestitionen zu stärken. Mit dem Ziel, die Investition des Landes NRW in Köln zu sichern, wird die Stadt Köln rechtzeitig nach der Entscheidung des Landes NRW ihre notwendigen Beschlüsse fassen. SPD und GRÜNE wirken darauf hin, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium NRW und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zu für beiden Seiten vorteilhaften Lösungen zu kommen.

Ob das Ingenieurwissenschaftliche Zentrum (IWZ) der FH zukünftig im Umfeld des bisherigen Standorts in Deutz verbleibt oder in der Nähe des FH-Standorts in der Südstadt konzentriert wird, soll ergebnisoffen geprüft werden.

Dabei sollen die jeweiligen Vor- und Nachteile für den Wissenschaftsbetrieb (Synergien zwischen Fachhochschule und Universität), die Wirtschaftlichkeit, aber auch die verkehrspolitischen Aspekte sowie soziale und städtebauliche Auswirkungen auf die jeweiligen Quartiere analysiert und abgewogen werden.

Ob für die Verlagerung des IWZ auch geeignete städtische Grundstücke in Deutz infrage kommen, soll geprüft werden. Für die Südstadt/Bayenthal ist dabei die Fortführung des inneren Grüngürtels gemäß dem städtebaulichen Masterplan zu berücksichtigen.

SPD und GRÜNE werden die Verwaltung beauftragen, Standortuntersuchungen und Machbarkeitsstudien in Bürgerversammlungen an den jeweiligen Orten öffentlich zur Diskussion zu stellen und so eine erweiterte Bürgerbeteiligung zu gewährleisten.

Sofern eine Entscheidung für eine Konzentration der FH Köln im Kölner Süden fällt, sollen zugleich mit dem Land NRW verbindliche Vereinbarungen zur Revitalisierung des bisherigen FH-Deutz-Areals getroffen werden, die dem rechtsrheinischen Stadtteilen Deutz und Kalk realistische Chancen eröffnen, in absehbarer Zeit den positiven Strukturwandel zu unterstützen.