Kölner Grüne stimmen für Heuschrecken-Lobbyist

Hauptausschuss macht den Weg frei für Friedrich Merz (CDU) an der Spitze des Aufsichtsrates des Flughafens Köln/Bonn. Börschel: „Vergebene Chance.“

Martin Börschel MdL, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Martin Börschel: “Die Kölner Grünen fallen ihrem eigenen Fraktionsvorsitzenden in Düsseldorf in den Rücken, um in Köln den Bündnispartner nicht zu verärgern.”

Die SPD-Fraktion im Rat reagiert mit großem Unverständnis auf den von CDU und Grünen gefassten Beschluss des Hauptausschusses der Stadt Köln, den Weg für Top-Lobbyist Friedrich Merz an die Spitze des Aufsichtsrates des Flughafens Köln/Bonn zu ebnen. „Merz ist neben vielen weiteren Tätigkeiten unter anderem Top-Lobbyist für eine der größten Heuschrecken im Land, der es lediglich um Gewinnoptimierung geht und die zudem eng mit weiteren Unternehmen im Luftfahrtbereich verbandelt ist. Wir sehen hier Interessenkonflikte, die zu einer Gefahr für eine der wichtigsten Infrastruktureinrichtungen NRWs und deren Mitarbeiter werden können. In seiner Erklärung an die Flughafen-Gesellschafter ist Herr Merz aber gar nicht erst auf diese mögliche Interessenkonflikte eingegangen. Da hätten wir eine eindeutige Positionierung anstatt wachsweicher Äußerungen erwartet.“

Eindeutig positioniert haben sich dagegen heute die Kölner Grünen. Ihr Votum für Merz ist ein Schlag ins Gesicht für die NRW-Grünen, die sich erst letzte Woche deutlich gegen den CDU-Mann ausgesprochen hatten. „Sie fallen ihrem eigenen Fraktionsvorsitzenden in Düsseldorf in den Rücken, um in Köln den Bündnispartner nicht zu verärgern“, so Jochen Ott, Kölner SPD-Chef und selbst Mitglied des Aufsichtsrats. „Auch den Beschäftigten am Flughafen erweisen sie einen Bärendienst, über denen jetzt weiter das Damoklesschwert einer Privatisierung schwebt. Diese Unsicherheit ist eine Zumutung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die SPD-Fraktion wollte heute erreichen, dass die Kölner Mitglieder des Aufsichtsrates gegen Merz als Vorsitzenden votieren und die Stadt Köln weiter konsensual von ihrem Vorschlagsrecht für den Aufsichtsratsvorsitz Gebrauch macht. Als Kandidaten hätte die SPD Stadtdirektor Dr. Keller oder auch Oberbürgermeisterin Reker unterstützt. „Es wäre unsere Pflicht gewesen, dafür zu sorgen, dass durch einen Kölner Kandidaten an der Spitze des Gremiums in erster Linie die Interessen unserer Stadt vertreten werden“, so Martin Börschel abschließend. „Diese Chance haben Grüne und CDU heute vertan.“

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